
Was fasziniert Sie am Verhalten von Milchkühen am meisten?
Ich bin auf einem Milchviehbetrieb aufgewachsen und hatte schon früh eine große Leidenschaft für Tiere. Kühe faszinieren mich bis heute. Sie sind neugierig, freundlich, haben eine klare soziale Struktur und wenn man ihr Verhalten aufmerksam beobachtet, lernt man viel darüber, was sie brauchen. Dieses präzise Beobachten des Kuhverhaltens ist für mich der Schlüssel zu einer immer besseren Milchviehhaltung. Dafür setze ich mich mit voller Überzeugung ein.

Erst das große Ganze betrachten, dann ins Detail gehen
Wenn Sie einen Stall betreten: Was erkennen Sie sofort an den Kühen, was anderen häufig entgeht?
Bei jedem Stallbesuch versuche ich zunächst, mir schnell einen Gesamteindruck von der Herde zu verschaffen. Es ist eine typische Falle, sofort auf Details zu achten. Diese sind zwar ebenfalls wichtig, ergeben aber erst im Gesamtbild wirklich Sinn. Mein erster Blick gilt daher dem gesamten Stall: Wie viele Kühe stehen, wie viele liegen und wie viele liegen wiederkäuend da? Gibt es Kühe, die warten – und worauf warten sie?
Danach schaue ich mir gezielt eine bestimmte Tiergruppe genauer an. Haben die Kühe einen gut gefüllten Pansen, wie ist ihre Körperkondition, gibt es Verletzungen oder kahle Stellen? Anschließend treten wir wieder einen Schritt zurück: Was sagt das über den Stall und das Management aus und wo liegen Verbesserungspotenziale?
Diese Denkweise habe ich aus dem CowSignals®-Konzept mitgenommen, das ich täglich anwende. Das Schönste daran ist, diesen Blick gemeinsam mit dem Milchviehhalter, Berater oder Tierarzt zu teilen. Denn gemeinsam sieht und lernt man mehr. Einen Schritt zurückzutreten und das Gesamtbild kritisch zu betrachten, bringt alle Beteiligten weiter.

Was schätzen Sie an der Zusammenarbeit mit Royal de Boer?
Was mich überzeugt hat, war die Tatsache, dass ich eingeladen wurde, aus der Perspektive der Kuh mitzudenken – nicht aus der Sicht eines Produkts. Schon beim ersten Kennenlernen hat es gut gepasst: ein engagiertes Team, das sich kontinuierlich weiterentwickeln möchte und Lösungen für Milchviehhalter schaffen will, die die Kuh in den Mittelpunkt stellen. Hinter dieser Mission stehe ich voll und ganz.
Wie bewahren Sie Ihre vollständige Unabhängigkeit?
Ich arbeite für Royal de Boer als unabhängige veterinärmedizinische Beraterin. Diese Unabhängigkeit ist für mich essenziell. Ich möchte aus meiner fachlichen Verantwortung heraus frei sagen können, was ich beobachte – auch wenn es kritisch ist. Nur so kann man glaubwürdig an Lösungen arbeiten, die der Kuh, dem Milchviehhalter und der Gesellschaft zugutekommen.
Diese Unabhängigkeit war auch Royal de Boer wichtig, um glaubwürdig zu bleiben. Deshalb wurde dies ausdrücklich in unserer Vereinbarung festgelegt. So kann ich transparent und konsequent die Interessen von Kuh und Milchviehhalter in den Mittelpunkt stellen – auch dann, wenn andere Interessen damit kollidieren könnten.

Wie möchten Sie Ihr Wissen und Ihre Erfahrung einsetzen?
Bei Milchviehhaltern und Händlern ist bereits sehr viel Wissen und Erfahrung vorhanden – in manchen Bereichen sogar mehr als bei mir. Dennoch gibt es immer Fragen, Herausforderungen oder neue Erkenntnisse aus der Praxis, zu denen ich gerne mit meinem Wissen und meiner Expertise beitragen möchte. Dabei ist mir eine partnerschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe wichtig, bei der wir voneinander lernen und unsere Erkenntnisse teilen. Außerdem übersetze ich wissenschaftliche Erkenntnisse gerne in praxisnahe Lösungen.
Unsere Zusammenarbeit kann dabei ganz unterschiedliche Formen annehmen: Seminare, Betriebsbesuche, Schulungen – alles, was gerade benötigt wird.
Wann fühlt sich eine Kuh Ihrer Meinung nach wirklich zuhause im Stall?
Ich weiß nicht, ob man wirklich sagen kann, dass sich eine Kuh „zuhause“ fühlt. Aber man erkennt sehr wohl, ob sie sich in ihrer Umgebung wohlfühlt – an ihrem Erscheinungsbild, ihrem Liegeverhalten und ihrer Bewegung. Dabei spielt Kuhkomfort eine wichtige Rolle, aber ebenso ein gutes Betriebsmanagement. Dazu gehören beispielsweise ausreichend hochwertiges Futter am Futtertisch, ein ruhiger Umgang des Milchviehhalters mit der Herde und eine schnelle sowie fachgerechte Behandlung bei Problemen.
Ein Stallkonzept, das zur Kuh passt, kombiniert mit der Fachkompetenz des Milchviehhalters, sorgt dafür, dass sich die Kuh „zuhause“ fühlt.

Voneinander lernen als Grundlage
Was hoffen Sie, dass Milchviehhalter nach einer Schulung, einem Vortrag oder einem Gespräch mit Ihnen anders sehen oder anders machen?
Ich lerne jeden Tag dazu – oft von den Milchviehhaltern, mit denen ich zusammenarbeite. Genau diese Haltung möchte ich weitergeben: aufmerksam bleiben und kontinuierlich lernen. Mit einem frischen Blick in den Stall gehen und sich fragen: Was kann ich heute anders machen, um morgen besser zu starten?
